Niedrigzinsen und sichere kapitalgedeckte Rentenversorgung – geht das überhaupt?

Die aktive Gestaltung beim Versorgungswerk ist wichtiger denn je!

Die Berliner Ärzteversorgung hat in 2017 erneut ein sehr positives Ergebnis erzielt. Dies ist umso erfreulicher, als das dies in einem schwierigen Umfeld (Niedrigzinsen und weltweit verunsicherte Kapitalmärkte) gelungen ist. Neben einer moderaten Erhöhung der Renten und Rentenanwartschaften konnten auch die Reserven aufgestockt werde. Die Reserven des Versorgungswerks sollen sicherstellen, dass auch in Zukunft das eine oder andere schlechtere Ertragsjahr ausgeglichen werden und der Rechnungszins von derzeit 4% und damit die Höhe der Rentenerwartungen beibehalten werden kann. Zur Erinnerung: Der sog. Garantiezins bei Neuabschluss von privaten Lebensversicherungen beträgt derzeit nur noch 0,9% – dies bedeutet bei gleicher Beitragszahlung erheblich niedrigere Leistungen als bei der Berliner Ärzteversorgung. Die in die Ausschüsse des Versorgungswerkes und die Vertreterversammlung gewählten Vertreter des MB arbeiten mit allen Kräften und großem Ehrgeiz daran, dieses Leistungsniveau aufrecht erhalten zu können. Diese Aufgabe ist derzeit kein Selbstläufer und erfordert zunehmend gute Ideen um trotz der, durch die von den Zentralbanken und der Politik beförderte, Niedrigzinsphase gute Ergebnisse zu erzielen. Schließlich profitieren auch wir Ausschussmitglieder bei unserer eigenen Rente von guten Kapitalerträgen.
Es gibt aber auch noch eine zweite Ebene bei der Kapitalanlage – diese heißt für uns „Eigentum verpflichtet“. Wir sehen als Ärzte auch eine gesellschaftliche Verantwortung, die wir bei der Anlage unseres Kapitals beachten müssen. Bereits 2006 haben deshalb die Gremien der Berliner Ärzteversorgung das magische Dreieck der Kapitalanlage, bestehend aus Rentabilität, Liquidität und Sicherheit um den Begriff Nachhaltigkeit erweitert. Als erstes deutsches Versorgungswerk haben wir damals das Ziel der Nachhaltigkeit, insbesondere unter Berücksichtigung ethischer, sozialer und ökologischer Standards in unsere Richtlinie für die Kapitalanlage aufgenommen und mit der Firma F&C in Form eines „Engagement Overlays“ für alle Aktienmandate umgesetzt. Die Berliner Ärzteversorgung erkannte, dass sie die Interessen der von ihr betreuten Anstalten insbesondere in Bezug auf Nachhaltigkeit in Zukunft deutlich stärker gegenüber ihren Geschäftspartnern vertreten muss. Der aus dem englischen kommende Begriff „Engagement“ steht dabei für den Ansatz durch direkten Kontakt mit dem Management von Firmen in die man investiert deren Anstrengungen für nachhaltiges Agieren zu fördern und zu fordern. Wir versuchen also zu beeinflussen statt nur in „gut“ oder „schlecht“ zu unterscheiden. Spätestens in der Finanzmarktkrise 2009 zeigte sich wie wichtig dieser Ansatz ist. Die Interessenskonflikte von Anbietern von Anlageprodukten auf der einen Seite, also Banken und Asset Managern, und den Produkt-Nachfragern auf der anderen Seite, also den Institutionellen Investoren zeigte sich hier auf eindrucksvolle Weise. Sei es der auf kurzfristigen Erfolg ausgerichtete Ansatz von Investmentbanken, der u. a. auch das Entlohnungssystem seiner Leistungsträger prägt oder die ungleiche Risikoeinschätzung von Produktanbietern und Käufern, es zeigte sich deutliche Kluft, um die sich die Institutionellen Investoren zuvor nicht ausreichend genug gekümmert hatten.
Unser Engagement erfolgt seit 2006 auf Grundlage der Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investment der UN (UNPRI). Diese basieren auf der Prämisse, dass Institutionelle Investoren und Asset Manager die Pflicht haben, im langfristigen Interesse ihrer Anleger zu agieren und sie daher in angemessener Weise beachten müssen, wie ökologische, soziale und Governance (ESG) – Kriterien die Rendite beeinflussen. Wir sind davon überzeugt, dass durch diese Form des sozialen und ökologischen Engagements bei der Kapitalanlage die Ergebnisse langfristig besser und stabiler sein werden als durch kurzfristige Erfolge durch Ausbeutung und Raubbau. Wenn dieser gestaltende Ansatz bei Einzelinvestments oder Beteiligungen allerdings nicht zielführend ist, dann wird auch komplett deinvestiert. Dies hat zum Beispiel das Ergebnis dass auch die Berliner Ärzteversorgung seit Mitte 2016 keine Investments mehr in CO2-intensive fossile Energiegewinnung mehr hat. Und übrigens: Das nachhaltiges Investment der Rendite nicht schadet sehen Sie an den Jahresergebnissen der Berliner Ärzteversorgung.
Sorgen Sie durch die Wahl des MB bei den anstehenden Kammerwahlen dafür dass wir unsere erfolgreiche ehrenamtliche Arbeit bei der Berliner Ärzteversorgung weiterführen können.