Die wichtigste Person im Leben eines kranken Menschen ist der Arzt. Er hat seine Krankheit, so wie sie ist, sein bio-psycho-soziales Umfeld und seine Selbstheilungskraft, so wie sie ist. Die einzige Variable, die er sich zur Heilung oder Linderung aussuchen kann, ist der behandelnde Arzt.

Die wichtigste Person im Gesundheitssystem ist ebenfalls der Arzt. Über 80% aller Kosten werden durch uns Ärztinnen und Ärzte veranlasst, mit dem Ausstellen von Rezepten, Einweisungen und Gutachten.

Die wichtigste Person im Gesundheitswesen ist der Patient. Die einzig relevante Frage für alle Aktionen und Aktivitäten im Gesundheitssystem ist „was hat der Patient davon“.


Wie ist sorgfältige ärztliche Arbeit für eine hochwertige Versorgung und humane Betreuung kranker Menschen zu gewährleisten?

Skills = Können

Wer als Arzt sein Handwerk nicht beherrscht, wird keinen Erfolg haben. Ärztliche Aus-, Weiter- und Fortbildung ist deshalb zentral für eine hochwertige Versorgung. Die Ärztekammer ist zentral für die Weiterbildung zuständig. Wir machen auf der Basis ärztlicher Erfahrung die Weiterbildungsordnung, stellen die Kataloge auf, vergeben die Befugnisse und nehmen die Facharztprüfungen ab. Wir beraten Weiterzubildende und Befugte gleichermaßen, um auch in schwierigen Umständen eine optimale Weiterbildung zu gewährleisten. Die Weiterbildung wird kontinuierlich überarbeitet. Der medizinische Fortschritt findet sich darin ebenso wieder wie die Grundlagen sorgfältigen, ärztlichen Arbeitens.

Für die Fortbildung gibt es Regeln bzgl. Inhalt, Form und Unabhängigkeit. Wir wollen keine verkappte Reklame für pharmazeutische Produkte oder Instrumente sondern „sauberes Wissen“. Die Vermittlung findet idealerweise in kleinen Gruppen und im direkten Austausch mit Kolleginnen und Kollegen statt. Der unabhängige Fortbildungskongress der ÄKB trägt dem Rechnung. Die ÄKB war die erste Ärztekammer, die einen solchen sponsorenfreien FoBi Kongress anbietet.

An der Reform der medizinischen Ausbildung ist die ÄKB beteiligt. Wir haben dafür gesorgt, dass kommunikative Fähigkeiten – wie sie im Reformstudiengang der Charité seit Mitte der 90er Jahre vermittelt werden – auch in der künftigen Approbationsordnung ihren Niederschlag findet. Auch evidenzbasierte Medizin als Technik und Tugend für Objektivität und Individualität ist dort aufgrund der Intervention der ÄKB künftig vorgesehen.



Knowledge = Wissen


„Im 19. Jhdrt war ‚sauberes Wasser‘ die wichtigste Grundlage für Gesundheit, im 20. Jhdrt ist es ‚sauberes Wissen‘“ (Zit. Sir John Muir Gray, ehem. Chief Knowledge Officer des NHS). Es gibt eine Flut an wissenschaftlichen Arbeiten in der Medizin. Vieles davon ist methodisch oder inhaltlich unbrauchbar oder durch Interessen Dritter voreingenommen. Die Liste der Blockbuster Medikamente, die mit großem Aufwand in den Markt der Medizin gedrückt wurde und nach wenigen Jahren aufgrund unerwünschter, z. T. tödlicher Nebenwirkungen, wieder zurück genommen wurden, ist lang. Fortbildungen, die unseren Standards nicht entsprechen, bekommen keine Fortbildungspunkte. Dies setzen wir gflls gerichtlich durch. Die ÄKB ist Gründungsmitglied im Deutschen Netzwerk evidenzbasierte Medizin und im Guidelines International Network. Über die Mitarbeit in der Leitlinienkommission der Arbeitsgemeinschaft der medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften werden unabhängige und wissenschaftlich begründete Leitlinien gefördert.


Attitude = Haltung


Dies ist der wichtigste Faktor zum guten Arzt-sein. Ohne die richtige Haltung, die bedingungslose Zuwendung zum Patienten mit dem Ziel, sein individuelles Problem zu lösen, ist jedes ärztliche Können nur wenig wert. Man kann auch mit besten Fähigkeiten schlechte Medizin machen. Unsere ärztliche Ethik findet ihren Ausdruck in der Berufsordnung und im hippokratischen Eid, zuletzt angepasst in der Deklaration des Weltärztebundes von Genf. http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/International/Deklaration_von_Genf_DE_2017.pdf

Die ärztliche Freiheit ist ein Privileg. Es ist ein Privileg des Patienten. Er hat ein Recht darauf, dass in seiner Behandlung keine anderen Aspekte eine Rolle spielen darf. Die Realität sieht an vielen Stellen anders aus. Durch die Propagierung von „Markt“ und „Wettbewerb“ durch Politik und Krankenkassen werden oft Anreize gesetzt, nicht immer das zu tun, was für den Patienten das Beste oder Richtige ist. Die ÄKB hat sich früh (2002 ) öffentlich dagegen ausgesprochen. https://www.aerztekammer-berlin.de/50ueberUns/20_Organisation/20_DV/50_DV_Berichte/493_DV2002_07_03.html

Unsere Kritik am deutschen DRG-System (DV Beschluss April 2001) wurde vom Gesundheitsausschuss des Bundestages angefordert, aber nicht berücksichtigt. Es kann keiner sagen, er habe es nicht gewusst.


Rahmenbedingungen


Bestes ärztliches Handeln wirkt nicht, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Das beginnt bei der Ausrichtung der Politik und endet bei den Arbeitsbedingungen in Klinik und Praxis. Zu den Anforderungen an den ärztlichen Arbeitsplatz im Krankenhaus existiert ein Beschluss der MB DV unseres Landesverbandes, der von der MB Hauptversammlung und dem deutschen Ärztetag übernommen wurde.

Zur Neuorientierung einer fehlgeleiteten Gesundheitspolitik hat der Ärztetag 2017 auf Antrag Berlin einen einstimmigen Beschluss gefasst. Gefordert ist ein grundlegender Strategiewechsel in der Gesundheitspolitik, weg von der Dezimierung von Kosten, Mengen und Strukturen (Krankenhausschließungen), hin zu einer Optimierung der Versorgung. Durch bessere Zusammenarbeit aller Akteure, bessere Zielsetzung in der Versorgung sowohl von individuellen Patienten wie auch für Patientengruppen und Regionen kann die Patientenversorgung leistungsfähig ausgerichtet und die primäre Motivation aller Gesundheitsberufe gestärkt werden. „Anybody working in a hospital who needs a mission statement should find a job somewhere else” Henry Mintzberg

Die zentrale Aufgabe der Ärztekammer ist die Vertretung ärztlicher Interessen. Dazu gehört eine kluge Politikberatung entscheidend dazu. Wir sind als einzige Organisation im Gesundheitssystem unabhängig, wie bekommen weder Geld von der Politik, noch von Industrie oder Krankenkassen. Wir verfügen über breit aufgestellten, klugen und unabhängigen ärztlichen Sachverstand. In einer Zeit, in der Interessen Dritter zunehmend die Patientenversorgung dominieren, ist eine solche Politikberatung und -gestaltung für unsere Profession lebenswichtig.

Günther Jonitz, Potsdam 26. 3. 2018