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A

Ärztekammer

Per Gesetz die Einrichtung, um ärztliche Interessen zu vertreten, die Qualifikation der Ärzteschaft durch Weiter- und Fortbildung zu regeln und zu fördern und qua Berufsordnung das ärztliche, auf Ethik begründete Verhalten zu steuern. Dazu engagieren sich ca. 100 hauptamtliche Mitarbeiter*innen und über 500 ehrenamtlich tätige Ärztinnen und Ärzte in den Gremien. Durch die Selbstverwaltung regeln wir zentrale Themen unseres Berufes, wie die Weiterbildung, selbst.
Wir wollen, dass sich die Ärztekammer stärker und vernehmbar in die Gesundheitspolitik einbringt und nach innen ihrer Führungsaufgabe, bspw. in der Weiterbildung, besser gerecht wird. Die Kommunikation und der Austausch mit unseren Mitgliedern dürfen besser werden.

B

Berlin

„Wo Berlin ist, ist vorn“, zumindest was die Innovationskraft der Ärztekammer angeht. Wir initiieren Themen wie die Evaluation der Weiterbildung, „ärztliche Führung“ in Form eines Curriculums der Bundesärztekammer oder die Kritik am DRG-System. Wir haben evidenzbasierte Medizin mit dem ersten Kongress in Deutschland 1998 als Grundlage für objektive ärztliche Entscheidungen auf den Weg gebracht, Patientensicherheit durch den Berliner Gesundheitspreis salonfähig gemacht (unsere positiv ausgerichtete Strategie ist inzwischen von der WHO übernommen). Die Allgemeinmedizin wurde durch Beschluss der DV der ÄKB wieder zu einem eigenen Gebiet, die Kritik am Entwurf der GOÄ-Novelle wurde – nach anfänglichem Widerstand – geteilt. Zur notfallmedizinischen Versorgung haben wir uns eindeutig positioniert, als erste und bislang einzige Ärztekammer eine eigene Zusatzweiterbildung eingeführt und mit aktuellen Positionspapieren die politische Diskussion auf allen Ebenen geführt. Dazu arbeiten wir lösungsorientiert und gerne in konstruktiver Zusammenarbeit mit ALLEN Akteuren der Gesundheitspolitik.

Bundestag

Im Bundestag werden nahezu alle relevanten Gesetze gemacht, die unsere Rahmenbedingungen betreffen. Im Sozialgesetzbuch V (SGB V) ist kleinteilig geregelt, welche konkreten Aufgaben die Organisationen der Kassenärzte, der Krankenhäuser und der gesetzlichen Krankenkassen zu übernehmen haben. Es ist höchst kompliziert und unterliegt einer großen Zahl an Reformgesetzen.
Als Hauptstadtkammer möchten wir die grundsätzlich kurzen Wege besser nützen, um mit den Politikern aller Parteien und mit dem Gesundheitsministerium stärker ins Gespräch zu kommen.

C

Christliche Werte

Auch wenn Religion, Herkunft, Status etc. keine Rolle beim ärztlichen Auftrag spielen, sind christliche Werte wie Nächstenliebe, Humanität und Solidarität die Grundlagen unseres Berufes.

CIRS oder auch „Fehlerlensysteme“

sind, nachdem die ÄKB das Thema „Patientensicherheit“ aus der Tabuzone geholt hat, in allen Krankenhäusern vorhanden. Dort können anonym Fehler bzw. Beinahe-Fehler gemeldet werden, um diese zu verhindern und um daraus zu lernen.

D

Demokratie

Wir organisieren uns selbst. Durch den demokratischen Aufbau unserer Selbstverwaltung in der Kammer – Wahlen zur Delegiertenversammlung, zum Vorstand, zu den Gremien, sind Teilhabe und Mitgestaltung garantiert.

Digitalisierung

Die Medizin und der ärztliche Beruf insbesondere werden sich in den kommenden Jahren grundlegend durch die Möglichkeiten der Digitalisierung verändern. Wir begreifen diese Veränderungen als die Chance, unsere Arbeit weiter zu verbessern. Hierbei prägt uns der Gedanke, dass die Digitalisierung für den Menschen da sein muss und nicht umgekehrt.

E

Einkommen

„Ohne Moos nix los“. Die Kammer ist nicht für ärztliche Einkommen zuständig. Dass allerdings von €100.- Krankenkassenbeitrag nur € 8,50 beim niedergelassenen Arzt ankommen und ein ähnlich geringer bei angestellten Ärztinnen und Ärzten zeigt, dass es nicht die Arztgehälter und –honorare sind, die den Versicherten und der Politik Probleme machen. Dies darf gerne deutlich gemacht werden. „Behandle drum den Doktor gut, damit er euch desgleichen tut“, Eugen Roth, 1895 – 1976.

Ethik 

Bei der Betreuung der uns anvertrauten Menschen ist eine an ethischen und moralischen Werten ausgerichtete Behandlung von zentraler Bedeutung. Ethik, „salus aegroti suprema lex“ und „primum nil nocere” sind die Grundlagen unseres Berufes. Das Gebot des „primum nil nocere“ findet u. a. im Thema Patientensicherheit auf systematischer Grundlage wieder.

FC

Fortbildung

Es ist ein Privileg unseres Berufes, lebenslang zu lernen. Wir wollen bestmögliche Behandlung gewährleisten. Dazu gehört, medizinischen Fortschritt von me-too Angeboten zu unterscheiden. Der von Sponsoren unabhängige, jährliche Fortbildungskongress der ÄKB leistet dazu seinen Beitrag.

Führung

Ärztliche Führung ist eine der wichtigsten Aufgaben im Arztberuf. Dies umfasst nicht nur die Sachkompetenz, die benötigt wird, um Patienten die richtige medizinische Behandlung zukommen zu lassen, sondern das Ausfüllen von unterschiedlichen Rollen sowie das Beherrschen einer Reihe von Soft-Skills, die in der Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlicher Professionen und verschiedenster Disziplinen von Bedeutung sind, um das Ziel erreichen zu können, im Team kranke Menschen gesund zu machen. Die ÄKB hatte das Curriculum ärztliche Führung der Bundesärztekammer initiiert und führt jährlich, sehr gut nachgefragte Kurse dazu durch.

G

Gesundheitspolitik

Rasender Stillstand prägt die Gesundheitspolitik der letzten Jahrzehnte. Eine Flut von Gesetzen, alle in der Regel mit mehr Bürokratie und mehr Aufwand zu Lasten der unmittelbaren Patientenversorgung verbunden, prägt das Verhalten unterschiedlicher Politiker. Herausgekommen sind höhere Kosten und eine flächendeckende weiche Rationierung in allen Sektoren der Patientenversorgung. Die große Politik wird in Berlin gemacht.
Von Berlin aus können wir Einfluss nehmen.

H

Haftung

Die Ärztekammer hat sehr gute Juristen für den Bereich Arzthaftung. Oft kann durch sachliche Moderation zwischen sich beschwerenden Patienten und Ärzten vermittelt werden. Mit der Neufassung des §299a StGB sind viele Kooperationen zwischen Ärzten und anderen Akteuren des Gesundheitswesens unter einen Generalverdacht gestellt worden. Die Kammer berät Ärzte diesbezüglich in allen Fragestellungen fachkundig.

Haltung

Ärztliche Haltung heißt, für den kranken Menschen da zu sein und ohne Rücksicht auf andere Anreize und Vorgaben, das „Wohl des Anvertrauten“ im Blick zu haben. Ärztliche Haltung heißt auch dann Stellung zu beziehen, wo alle anderen abgetaucht sind, z. B. morgens um 3 Uhr in der Notaufnahme. Sie bedeutet, aufrichtig zu sein und die Wahrheit in einer Form zu sagen, die die Patientinnen und Patienten verstehen. Wenn die Grundhaltung des „Helfen-wollens“ nicht stimmt, stimmt alles andere auch nicht.

I

Information

Wir leben in einer Wissens- und Informationsgesellschaft. War Medizin früher mehr oder weniger eine Geheimwissenschaft in den Händen einer höchst qualifizierten Berufsgruppe mit hoher Verantwortlichkeit und Integrität, ist jetzt Transparenz, Information und Kommunikation angesagt. Die Digitalisierung spielt – mit ärztlichem Sachverstand angewandt und praxisorientiert – eine große Rolle. Wir mischen uns aktiv ein.

J

Journalismus

„Meinung macht Politik, Politik macht Tatsachen. Wer sich an der Meinungsbildung nicht beteiligt, läuft Gefahr, dass Politik ohne oder gegen ihn stattfindet.
Um die Meinungsbildung auch unter Journalisten voranzubringen, brauchen wir eine professioneller aufgestellte Ärztekammer und eine bessere Beteiligung der Basis an der Meinungsbildung zu bestimmten Themen.

K

Krankenhaus

58 Krankenhäuser in Berlin sind nicht nur Träger der stationären Versorgung
sondern für jede Ärztin und jeden Arzt zumindest temporäre, obligate Heimstatt im Rahmen der Facharztweiterbildung, zudem für eine immer größere Gruppe Lebensarbeitsplatz. Es ist daher Aufgabe der Ärztekammer Berlin politisch auf die Rahmenbedingungen für eine gute Versorgung Einfluss zu nehmen, auf Fehlentwicklungen hinzuweisen, an Lösungsvorschlägen mitzuarbeiten sowie Arbeitsbedingungen einzufordern, die den veränderten Bedingungen der Patientenversorgung ebenso gerecht werden, wie den berechtigten Ansprüchen nach lebenswerten, attraktiven Arbeitsbedingungen und echter Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die ÄKB ist tatkräftig und sachkundig im Krankenhausbeirates des Berliner Senates vertreten und hat bspw. aktiv Mindeststandards in der Personalbesetzung der Abteilungen und in der Notfallversorgung mitgewirkt.

Krankenkassen

Die gesetzlichen Krankenkassen sind vom Payer zum Player aufgestiegen. Ziel ist es dabei nicht primär, flächendeckend bestmögliche Versorgung zu gewährleisten, sondern im Wettbewerb um Versicherte gut abzuschneiden und Kosten zu sparen. Wenn eine Kasse durch zu hohe Ausgaben ihren Zusatzbeitrag erhöhen muss, wandern vor allem gesunde Versicherte zu anderen Kassen. Mit i. v. Verträgen gestalten sie einzelne Versorgungsbereiche Der politische Einfluss der Krankenkassen ist groß.

Kassenärztliche Vereinigungen

Sie ist die Körperschaft für alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, die an der Versorgung von GKV-Patienten teilnehmen. Früher die regelhafte Perspektive für die meisten Krankenhausärztinnen und –ärzte, leidet das ambulante System an Überregulierung, Bürokratisierung und einem völlig undurchsichtigen Verfahren der Honorarverteilung. Der KV obliegt der Sicherstellungsauftrag in der ambulanten Versorgung, die Honorarverteilung und die Leistungssteuerung. Sie ist damit einer der wichtigsten Partner in der Gesundheitspolitik des Landes. Wir wollen die Zusammenarbeit mit Den Krankenhausträgern, der kassenärztlichen Vereinigung und den Krankenkassen weiter ausbauen.

L

Leben

In der Medizin geht es zum Glück nicht immer um Leben oder Tod, aber wehe, es wird etwas übersehen oder es geht etwas schief. Unsere Patientinnen und Patienten vertrauen uns ihr Leben, ihren Körper und ihre Seele an, um ihre Krankheiten oder Störungen loszuwerden. Lebenserhaltung ist das wichtigste Ziel in der Medizin, Leidenslinderung ein weiteres.

Landesgremium gemäß §90a SGB V

Aufgrund der föderalen Struktur und der Tatsache, dass Gesundheit Ländersache ist, ist die sachkundige und sachliche Arbeit im gemeinsamen Landesgremium wichtig. Hier bringen sich die Vertreter der Ärztekammer gezielt und stimmberechtigt ein, um eine für die Versorgung der Menschen sinnvolle Gesundheitspolitik. Hier wird ansatzweise das „Prinzip der gemeinsamen Verantwortung“ gelebt.

M

Marburger Bund

Der Marburger Bund ist der Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte. Mit weit über 100 000 Mitgliedern ist er der größte Ärzteverband mit freiwilliger Mitgliedschaft in Europa. Er berät und vertritt seine Mitglieder vorwiegend arbeits- und tarifrechtlich, schließt erfolgreich als einzige Gewerkschaft Arzttarifverträge ab und macht Gesundheits- und Standespolitik im In- und Ausland. Als politische Organisation steht der MB für den selbstbestimmten, freien Arztberuf, bessere Rahmenbedingungen für die Patientenversorgung und leistungsfähige Krankenhäuser. In Berlin hat der MB inzwischen über 7000 Mitglieder. Er vertritt die Interessen seiner Mitglieder durch kostenlose Rechtsberatung, in Tarifkommissionen, in Betriebs-, Personal und in Aufsichtsräten, im Vorstand und in der Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin und in Gremien des Berliner Senats.
Wir legen Wert auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit allen Institutionen im Gesundheitswesen inkl. der Patientenorganisationen.

Medizin

Moderne Medizin ist die Grundlage für eine erfolgreiche ärztliche Tätigkeit. Sie ist eine beispiellose Erfolgsstory. Früher unbehandelbare Krankheiten oder Verletzungen sind inzwischen Routine (Schenkelhalsfraktur, AIDS, Diabetes mellitus…), bleiben aber immerwährende Herausforderungen. Die moderne Medizin zeichnet sich dadurch aus, dass sie „lernt“, das heißt, dass sie sich und ihr Tun permanent in Frage stellt und neue, bessere Verfahren und Produkte erforscht und in die Versorgung bringt.

N

Naturheilverfahren

Neben den Methoden der Schulmedizin, die sich vorwiegend an der Pathogenese von Krankheiten und den entsprechenden Interventionen orientiert, befassen sich Naturheilverfahren mit Methoden und Anwendungen, die – noch nicht ausreichend erforscht – salutogenetische Mechanismen befördern. Die Kunst besteht darin, seine Grenzen und die der Verfahren zu erkennen und sachgerecht und patientenorientiert unterschiedlich anzuwenden. Naturheilverfahren sind Bestandteil der Weiterbildungsordnung und gehört zu den möglichen Qualifizierungen dazu.

O

Organisation

Ärztinnen und Ärzte sind gelernte Einzelkämpfer. Vor dem Patienten und gegebenenfalls vor Gericht sind wir allein. Damit wir besser vor den Herausforderungen des Alltags und gegenüber den Anforderungen von außen bestehen können, ist es von großer Bedeutung, organisiert zu sein. Das bedeutet, in Organisationen mitzumachen, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen. Im Kleinen ist das z. B. die Rolle der Assistentensprecherin oder des –sprechers, im Großen Führungsaufgaben in Gremien wie Betriebs-, Personal- oder Aufsichtsrat zu übernehmen oder sich im Marburger Bund oder in der Ärztekammer aktiv zu beteiligen. Machen sie mit. Sie können mitgestalten und lernen engagierte und interessante Menschen kennen.

Organtransplantation

In Deutschland fehlen in hohem Maße Spenderorgane, Menschen sterben auf den Wartelisten und es ist vorhersehbar, dass uns beim weiteren Fortbestehen der geringen Organspendebereitschaft in Deutschland unsere Patienten auf den Wartelisten perspektivisch keine Organe mehr von Eurotransplant bekommen werden.
Hier müssen wir dringend aktiv werden und uns für eine deutlich höhere Spenderbereitschaft einsetzen. Der Ruf der Transplantationsmedizin muss wieder hergestellt werden.

P

Pausen

Pausen sind wichtig. Wer ruhelos arbeitet, verbraucht seine Kräfte und hat keine Zeit zum Nachdenken, zur Regenerierung. Der MB arbeitet mit arztspezifischen Tarifverträgen darauf hin, dass dies möglich ist und umgesetzt wird.

Q

Qualität

Der Schlüsselbegriff eines funktionierenden Gesundheitswesens. Qualität ist, was beim Patienten ankommt. Sie wird wesentlich vom Können, von der Erfahrung und vom Einsatz von Ärztinnen und Ärzten gewährleistet. Ohne die nötigen Rahmenbedingungen wie ausreichendes und motiviertes Personal, gute Zusammenarbeit über Hierarchie- und Berufsgrenzen hinweg, ist die Gewährleistung einer hochwertigen Behandlung und humanen Betreuung kranker Menschen nicht möglich. Gesetzgeber und Krankenkassen haben den Qualitätsbegriff instrumentalisiert, um Ärztinnen und Ärzte, aber auch Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen zu kontrollieren und zu sanktionieren. Die Prinzipien des Qualitätsmanagements werden dadurch konterkariert. Wir engagieren uns trotzdem und qualifizieren uns bspw. in den Kursen zum ärztlichen Qualitätsmanagement.
Wir möchten die Qualitätsdiskussion wieder in ärztliche Hände zurückbekommen.

R

Rente

Als die Bundesrepublik Deutschland in der Nachkriegszeit gegründet wurde, wurde den vermeintlich „Besserverdienenden“ das Privileg der Solidarität in der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung verweigert. Sie wurden als wohlhabend genug angesehen, sich selbst zu helfen. Dies führte zur Gründung der ärztlichen Versorgungswerke. In Berlin ist dies die Berliner Ärzteversorgung (BÄV). Dort werden die monatlichen Beiträge unserer Mitglieder verwaltet, nachhaltig und verantwortungsvoll angelegt, Rentenanträge bewertet und Renten ausgezahlt. Durch die Selbstverwaltung auch in diesem Bereich sind die Rentenansprüche von Ärztinnen und Ärzten – dank eines starken MBs in den Gremien der BÄV – deutlich höher als es im staatlichen System der Fall wäre. Im Übrigen hat sich die Berliner Ärzteversorgung als erstes ärztliches Versorgungswerk darum gekümmert Aspekte der Nachhaltigkeit in der Geldanlage zu implementieren.

S

Selbstverwaltung

Das deutsche System der Gesundheitsversorgung ist vom Prinzip der Selbstverwaltung getragen. Die Bundesregierung macht die Gesetze, die Vorschriften und Verfahren der Umsetzung, wieviel Geld für wen zu welchen Voraussetzungen, werden von den Gremien der Selbstverwaltung i. e. Kassenärztliche Vereinigungen, Organisationen der gesetzlichen Krankenkassen und der deutschen Krankenhausgesellschaft in z. T. zähen und anstrengenden Runden im Gemeinsamen Bundesausschuss ausgehandelt. Da die Politik gleichzeitig die Philosophie des Wettbewerbs zum tragenden Prinzip gemacht hat und die Ergebnisse weniger in Form von Qualität sondern in Form von Geld (Einnahmen, Ausgaben, Erträge) gemessen werden, ist das wichtige Prinzip der gemeinsamen Verantwortung und das Erreichen des eigentlichen Ziels einer hochwertigen Versorgung und humanen Betreuung kranker Menschen, gestört.
Wir wollen die Rolle der ärztlichen Selbstverwaltung in den gesetzlichen Gremien stärken.

T

Terminvergabestellen

Aufgrund von Klagen von gesetzlich Versicherten, sie würden in der Terminvergabe bei Kassenärzten benachteiligt, hat der Gesetzgeber Terminvergabestellen der KVn gesetzlich vorgeschrieben. Die Situation hat sich dadurch nur geringfügig geändert. Auf eine Analyse der Ursachen hat der Gesetzgeber verzichtet. Die Terminvergabestellen sind ein Paradebeispiel für Symbol- bzw. Alibipolitik.

Teamarbeit

Das Sorgen für und das sich Kümmern um Patienten ist eine Teamaufgabe, die nur im Zusammenspiel mit den anderen Fachdisziplinen, Berufsgruppen, Leistungserbringern und den in der Versorgung von Patienten beteiligten Systempartnern erreicht werden kann. Hierfür steht der Marburger Bund ein. Wir wollen, dass Schulungsangebote der Ärztekammer Berlin zur Teamarbeit verstärkt angeboten werden.

U

Universität

Die Universitäten sind der wichtigste Ort für Lehre, Forschung und Krankenversorgung auf maximalem Niveau. Die Sparpolitik geht auch an den Hochschulen nicht vorbei. Nicht nur die Patientenversorgung leidet durch Personaleinsparungen, auch die Forschung findet nur durch besonderen Einsatz, in der Regel außerhalb der regulären Arbeitszeit, statt. Die Lehre ist Gegenstand dauerhafter Kritik und soll durch die Umsetzung des „Nationalen kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin“ reformiert werden.
Wir wollen eine kluge und sinnvolle Reform des Medizinstudiums, eine bessere Auswahl der Studierenden und die Charité als größte und ruhmreiche medizinische Hochschule stärken.

V

Verwaltung

Ohne eine funktionierende Verwaltung können Organisationen ihren Auftrag nicht erfüllen. Der Auftrag der Ärztekammer ist nicht, zu verwalten, sondern auf gesetzlicher Grundlage eine bestmögliche Dienstleistung gegenüber ihren Mitgliedern zu gewährleisten und ihren hoheitlichen Auftrag (Berufsrecht) zu erfüllen. Durch das demokratische Prinzip der Selbstverwaltung in der Ärztekammer können wir gerade hier Einfluss nehmen.
Die Ärztekammer muss ärztlicher werden, um bspw. besser und professionell gegenüber Politik und Öffentlichkeit auftreten zu können.

W

Wissenschaft

„Wissen ist der Feind der Krankheit. Im 19. Jhdrt war ‚sauberes Wasser‘ die wichtigste Ressource für Gesundheit; im 21. Jhdrt ist dies ‚sauberes Wissen‘“. Dieses Zitat des früheren Chief Knowledge Officers des NHS, Sir John Muir Gray, zeigt die Dimension des Themas auf. Wissenschaft wird inzwischen nicht nur an Universitäten praktiziert, sondern im Rahmen der Versorgungsforschung auch im real existierenden Alltag. Die ÄKB engagiert sich dabei in Fragen der Methodik („evidenzbasierte Medizin“), sondern auch beim Thema der Unabhängigkeit der Wissenschaft. Allzu oft wird Wissenschaft im Auftrag der Geldgeber durchgeführt und die Ergebnisse unverständlich oder gar missverständlich verbreitet. Die Aktivitäten des Fortbildungsausschusses bei der Vergabe von Fortbildungspunkten und mit dem unabhängigen Fortbildungskongress sind wesentliche Säulen des Erhalts der Unabhängigkeit, auch die von uns Ärztinnen und Ärzten.

Weiterbildung

Ist eine der zentralen Aufgaben der Ärztekammer. Wir definieren in eigener Verantwortung die Gebiete und Zusatzqualifikationen, die dazugehörigen Kataloge und nehmen die Facharztprüfungen ab. Neben der gesetzlichen Rolle als Regelgeber mischen wir uns zunehmend in die Durchführung der Weiterbildung ein, beraten, schulen Befugte und Prüfer, begehen Krankenhäuser und Arztpraxen und intervenieren so nötig. Daneben gilt der Einsatz besseren Rahmenbedingungen für die Weiterbildung. Personalentwicklungskosten sind nicht in DRGs oder im EbM enthalten. Das muss geändert werden. Nur im ambulanten Bereich sind vor allem in der Allgemeinmedizin bessere gesetzliche und finanzielle Grundlagen geschaffen worden. Die Evaluation der Weiterbildung und Gespräche z. B. mit den Assistentensprecherinnen und -sprecher der Berliner Krankenhäuser helfen uns weiter.
Wir wollen den strukturierten Dialog mit Befugten und den Assistentensprecherinnen und –sprechern ausbauen und pflegen.
Wir wollen den Druck auf die Politik erhöhen, Ressourcen für Qualifikationen (Weiterbildung!) und geregelten fachlichen Austausch, wie z. B. Teambesprechungen, Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen, bereit zu stellen.

Wettbewerb

wurde als Schlüsselbegriff in den 80er Jahren in die Gesundheitspolitik eingeführt. Nicht beantwortet wurde die Frage, worum der Wettbewerb gehen möge; um Qualität oder um Geld. Entstanden ist vor allem ein profitorientierter Wettbewerb, der alle Institutionen im Gesundheitswesen betrifft, Krankenhäuser, Praxen, Krankenkassen und Industrie.
Wir wollen einen Wettbewerb um Qualität, nicht um Profit.

Weiche Rationierung

Ist das Vorenthalten von Strukturen oder Maßnahmen, die der Patient eigentlich für seine Versorgung benötigt. Im Gegensatz zur harten Rationierung, wie bspw. in der Transplantationsmedizin, geschieht dies im Verborgenen, z. B. durch Personalabbau. Zitat: „Wenn wir die Zahl der Intensivschwestern pro Schicht von 5 auf 4 reduzieren, erhöht sich im gleichen Zeitraum die Infektionsrate um 23%“. Wir wollen die politisch zu verantwortende weiche Rationierung besser aufzeigen und damit den Druck auf Politik und Kostenträger für bessere Arbeitsbedingungen erhöhen.

X

Xenophobie

Medizin ist international. In Berlin arbeiten Ärztinnen und Ärzte aus über hundert Ländern vertrauens- und respektvoll zusammen. Mit uns gibt es keine Xenophobie. Im Gegenteil, Anregungen aus anderen Kulturen sind herzlich willkommen. Unsere Patientinnen und Patienten sind ebenfalls international. Mit anderen Kulturen umzugehen, ist Teil unseres ärztlichen Auftrags und wird weiter befördert. Wir wollen Verfahren und Projekte der interkulturellen Kompetenz fördern.

Z

Zusammenarbeit

Ist eigentlich selbstverständlich. Auf Station, in der Praxis sollte dies normal, da hilfreich sein. Jeder, der mit den gleichen Patienten zu tun hat, sollte Teil eines Teams sein. Die Rolle des Teamleaders, da Letztverantwortlicher, sollte beim Arzt w. der Ärztin liegen. Die Rahmenbedingungen sind schwierig. Unsere Organisationskultur begründet sich in der Hierarchie. Umdenken, das Zuhören und ernst-nehmen anderer fällt manchmal schwer.
Hier möchten wir, dass die ÄKB unter Führung des MB künftig stärker Akzente setzt, bspw. mit einem noch besseren Angebot zu ärztlicher Führung, Kommunikation und Teambildung bereits während der Weiterbildung aktiv wird. Auf der politischen Ebene ist Zusammenarbeit das A und O einer gelingenden Politik. Statt Wettbewerb und Gesundheitswirtschaft brauchen wir Zusammenarbeit und ein funktionierendes Gesundheitswesen.

Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten – mit ihrer Unterstützung, mit ihrer Stimme bei der Kammerwahl!

Sie haben Fragen oder Anmerkungen? Haben wir etwas Wichtiges vergessen? Schreiben oder mailen sie uns.