Viele Abwanderungen klinisch Tätiger, die sich den ärztlichen Beruf als Lebensprofession ausgesucht haben, erfolgen in medizinassoziierte Bereiche aufgrund von Unzufriedenheit mit den klinischen Arbeitsbedingungen: Dies sind Ort, Zeit und Inhalt der Arbeit – oder weiter gefasst das Krankenhaus mit seiner infrastrukturellen Anbindung, seiner technischen Ausstattung, Dauer und Lage der Dienste, Häufigkeit von Bereitschaftsdiensten, Arbeitsbelastung, Möglichkeit zum Freizeitausgleich, fachliche Weiterbildung, Spezialisierung und Karrierefortkommen. Darüber hinaus tragen weichere Aspekte wie z. B. Arbeitsorganisation, Teamzusammenhalt und Personalfluktuation, Anerkennung, Respekt, Planung von Eintritt und Rückkehr in Elternzeiten und Mutterschaftsurlaub, Sicherheit, gelebtes Selbstverständnis der Profession im Spannungsverhältnis zu wirtschaftlichen Interessen, zur Arbeitszufriedenheit bei.Die Delegiertenversammlung des Marburger Bundes, Berlin Brandenburg, hat bereits 2011 einen konkreten Forderungskatalog zur Ausgestaltung des „Arbeitsplatzes Krankenhaus“ aus ärztlicher Sicht erstellt, da hochwertige und humane Arbeitsbedingungen im Krankenhaus essentielle Voraussetzung sind, um eine hochwertige ärztliche Behandlung und eine humane Betreuung kranker Menschen im Krankenhaus gewährleisten zu können. Der Fachkräftemangel an Ärztinnen und Ärzten ist inzwischen auch in den Berliner Kliniken angekommen. Kliniken, die sich in der Organisations- und Arbeitsplatzgestaltung weitgehend über Leistungs- und Arbeitsverdichtung definieren und in denen viele Kolleginnen und Kollegen bis an ihre Grenzen arbeiten, leiden unter zunehmender Personalfluktuation, welche ihrerseits sowohl die Versorgung der Patienten, als auch die Arbeitsbedingungen weiter verschlechtern.

Als Marburger Bund haben wir nicht nur die Defizite der Arbeitsbedingungen in den verschiedensten Bereichen identifiziert, sondern können sie in den zahlreichen Vernetzungen mit der Politik und den Akteuren des Gesundheitswesens zielgerichtet adressieren und an deren Verbesserung arbeiten. Durch eine zunehmende Zahl an Marburger Bund-Mitgliedern in den Personal-, Betriebs- und Aufsichtsräten können wir direkten Einfluss auf die Arbeitsbedingungen in unseren Kliniken nehmen, Mitbestimmen und Mitgestalten.

Wesentlich wird die Ausgestaltung der zukünftigen verbandsspezifischen Tarifverträge zur Verbesserung der Situation beitragen können, die sich an den Kernthemen Arbeitszeit und Arbeitszeiterfassung, lebensphasenorientierte Arbeitsplatz- und Dienstgestaltung, verlässliche Dienstplanung und adäquate Vergütung orientiert.

Insbesondere der Wunsch vieler Kolleginnen und Kollegen nach Teilzeittätigkeit muss mit den Arbeits- und Weiterbildungsbedingungen in den Kliniken in Übereinstimmung gebracht werden, um die Attraktivität einer klinischen Tätigkeit zu verbessern und den Arbeitsplatz Klinik auch als Lebensarbeitsplatz menschlich und lebenswert zu gestalten.